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Alcoa Fastening Systems Aerospace Products Hildesheim Operations

Ergonomie-Audit

Gestaltungsbereich: Arbeitsschutzorganisation, Arbeitsmittel und Arbeitsumgebung

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Zusammenfassung

Der Standort in Hildesheim verwendet leichte Rohstoffe wie Titan oder Stahllegierungen für die Produktion von hochfesten Verbindungselementen wie z.B. Schrauben und Bolzen für den Einsatz in der Luft- und Raumfahrt und der Automobilindustrie. Die Teile finden u. a. Anwendung bei dem Bau des Airbus A380. Als Zulieferer genießt Alcoa einen international guten Ruf. 

Basierend auf einer konzernweiten Vorgabe, in allen deutschen Standorten ein Ergonomie-Audit durchzuführen, wurde bereit in 2003 diese Anforderung am Standort Hildesheim umgesetzt. Außer der Vorbereitung des Audits wurden zahlreiche Anforderungen aus den "Health and Safety Standards Ergonomics" umgesetzt, u.a. vollständige Trainings für die Belegschaft, organisatorische Veränderungen zur Prävention wie der Aufbau eines Programms zur Rückengesundheit. 

Der Erfolg der damaligen Partnerschaft mit der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) unter Leitung des Ergonomiecampus beflügelte Alcoa erneut in 2006 und 2007 zur Fortsetzung des Programms. Die BAuA hat sich durch Maßnahmen der betrieblichen Aus- und Weiterbildung mit Inhouse-Seminaren beteiligt. Erreichtes Ziel: Über 97% trainierte und persönlich beratene Belegschaft zu ergonomischen Risiken und deren Lösungsmöglichkeiten am Arbeitsplatz sowie eine Dokumentation über ergonomische Belastungen und Beanspruchungsreaktionen (Gefährdungsbeurteilung). In der Abschlusspräsentation vor der Geschäftsführung konnte im Juni eine erfolgreiche Bilanz der Maßnahme gezogen werden.



Auslösendes Ereignis

Die Handhabung von Lasten, verbunden mit häufig wiederkehrenden Tätigkeiten, ständigem Stehen und schwierigen Arbeitshöhen führen nicht nur bei den Mitarbeitern von Alcoa zu Beschwerden des Muskel-Skelettsystems.  Ebenso von Bedeutung sind statische Arbeiten mit häufig wiederkehrenden Aktivitäten wie z.B. der Arbeit an Bildschirmgeräten. Für die Produktion als auch die Verwaltung galt es, das Thema Ergonomie in allen Ebenen zu vermitteln. Um die Rückengesundheit konsequent und nachhaltig zu sichern und zu fördern wird regelmäßig - an allen Standorten in Deutschland - ein Ergonomie-Audit durchgeführt. 

Kern der zu erfüllenden Anforderungen ist:

1. Gefährdungsbeurteilungen

2. Nachweis von Veränderungen in Form eines Maßnahmenverfolgungsplans

3. Organisatorische Einbettung ergonomischen Know-Hows in die Unternehmenskultur

4. Aufbau und Institutionalisierung eines Ergonomie-Teams mit Sprecher

5. Pflege eines Präventivprogramms zur Förderung der Rückengesundheit

6. Alle drei Jahre wiederkehrende Trainings zum Thema "gesunder Rücken".

Nach erfolgreicher Kooperation mit der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) unter Leitung des Ergonomiecampus in den Jahren 2003 und 2004 erfolgte ein Ergonomie-Audit, das die Firma mit "gut" bestand. Da das Thema Ergonomie im Konzern jedoch nachhaltig zu pflegen ist, bestand die Maßgabe, in 2007 nunmehr nach 3 Jahren Impulse für ergonomisch gute Arbeitsbedingungen zu setzen. Das Unternehmen wandte sich erneut an die bewährten Partner und startete im Februar 2007 mit tiefgreifenden Maßnahmen.



Ziel

Zu den Zielen gehört:

1. Bestehen des Ergonomie-Audits mit "Gut" und Erfüllen der konzernweiten ergonomischen Anforderungen (Health and Safety Standards Ergonomics).

2. Training und Sensibilisierung zum Thema Ergonomie am Arbeitsplatz von 95% der Belegschaft.

3. Nachhaltige Förderung der Gesundheit durch Präventivprogramme und Akzeptanz der Belegschaft.

4. Einbettung ergonomischer Erkenntnisse und Zielsetzungen in die Planung neuer Arbeitsbereiche.

5. Individuelle Beratung und Betreuung von Beschäftigten.

6. Betriebliche Gesundheitsförderung.



Lösungsweg

Oktober 2006 - Training der betriebsinternen Ansprechpartner Ergonomie = ErgoScouts

Alcoa Hildesheim verfügt seit 2003 über vier geschulte Mitarbeiter, sogenannte ErgoScouts. Sie wurden befähigt, in Produktion und Verwaltung, ergonomiebezogene Beratungen durchzuführen oder Empfehlungen auszusprechen. Die vier Partner wurden in einem Auffrischungs-Workshop einen Tag in der Industrie- und Handelskammer Hildesheim zur aktuellen Umsetzung im Betrieb und vertiefenden Fragestellungen ergonomischer Arbeitsplatzgestaltung unterwiesen. 

Januar 2007 - Vorbereitung der Trainings- und Beratungsphase

Begrüßung im SeminarGemeinsam mit der firmeninternen Sprecherin Ergonomie (SPA Ergonomics)  erfolgte die Feinplanung für die Schulung von 350 Beschäftigten inklusive der Geschäftsführung und der Vorgesetzten, der Durchführung von Gefährdungsbeurteilungen, die aufgrund veränderter Arbeitsbedingungen neu erstellt werden mussten sowie individueller Beratungsangebote und Trainings für Multiplikatoren. Als Arbeitstitel wurde gewählt: Alcoa Rückentraining 2007 - Ergonomie-Ausgleich, Entlastung - .

Februar - Mai 2007 - Innerhalb von 13 Arbeitstagen erfolgte mit 3 professionellen Fachkräften sowie 17 Praktikanten aus Physiotherapie und Arbeitsschutz die komplexe Umsetzung des Konzeptes.

 

 

Training: Die 90minütige Schulung war eine Pflichtveranstaltung und wurde thematisch unterteilt in Gruppen aus der Produktion und der Verwaltung. Die Schulungen wurden für die Frühschicht um 09.00 und 11.00 Uhr, die Spätschicht um 14.00 und 16.00 Uhr sowie die Nachtschicht um 22.15 Uhr angeboten. 90 Minuten Schulung wurden aufgeteilt in a. Theorie und Praxis körpergerechter Bewegungen und Haltungen, b. Rückenparcours - Eigenständige Erarbeitung ergonomischer Themen in einer Ausstellung sowie c. Lernerfolgskontrolle mit Quiz.

Gefährdungsbeurteilung: Durchführung spezieller Untersuchungen, Dokumentation und sofern möglich, umsetzen von Sofortmaßnahmen an ausgewählten Arbeitsplätzen. Als Gesprächsleitfaden und zur Dokumentation wurde das Verfahren "Screening Gesundes Arbeiten (SGA)" verwendet. Das SGA wurde vom Institut für Arbeits-, Organisations- und Sozialpsychologie an der TU Dresden mit Partnern aus der Wirtschaft entwickelt.

Back-Check: Während der Schulung und den Besuchen vor Ort zur Durchführung einer Gefährdungsbeurteilung erhielten alle das Angebot, das "Back-Check" Programm zu nutzen. Es handelt sich hierbei um eine mehrstufige Maßnahme. Sie besteht aus einem Check des Arbeitsplatzes, ob ergonomische Risiken vorliegen sowie der Einleitung eines Verbesserungsprozesses, einer Anamnese durch die Betriebsärztin (BGG 46) sowie der Überweisung an eine Rehabilitationseinrichtung. Hier wird entweder ein Rückentraining mit Blick auf die besonderen Belastungen bei der Arbeit angeboten. Oder es erfolgt eine Therapie, um bestehende schmerzhafte Zustände im Bereich des Muskel-Skelettsystems zu beheben. Die Kosten für dieses Programm übernimmt die Firma. Der Beschäftigte bringt seinen Eigenanteil in Form von Zeit bei.

Ergonomische Beratung: Auf Anfrage wurden die Beschäftigten am Arbeitsplatz besucht. Zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen erläuterten die Fachkräfte, überwiegend ErgoPhysConsultant, wie durch rückengerechtere Körperhaltung und eine optimiertere Arbeitstechnik die Arbeit erledigt werden kann. Ein Begehungsprotokoll mit Nachweis der Empfehlung schloss das etwa 20minütige Gespräch ab.

Maßnahmenverfolgungsplan: Zur vereinfachten und einheitlichen Erfassung der Analyse- und Auswertungsergebnisse wurde in einer Excel-Tabelle das Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung zusammengetragen. Die Tabelle unterstützt das Unternehmen heute bei der Umsetzung von Verbesserungen.

Follow-Up und Wirkungskontrolle: Im Mai 2007 wurden an drei Tagen weitere Maßnahmen wie oben beschrieben durchgeführt. Außerdem wurde ermittelt, ob die bisherigen Sofortmaßnahmen nützlich waren und ob der betriebsinterne Umsetzungsprozess für Verbesserungen angestoßen wurde.

Abschlusspräsentation: Der Geschäftsführung wurde über die wesentlichen Ergebnisse der Aktivitäten unterrichtet. Der Ergebnisbericht mit dem Maßnahmenverfolgungsplan wurde übergeben



Erfolg

Vermessen einer Beschäftigten - korrekte ArbeitshöheIm Projektzeitraum von März - Mai 2007 ist es gelungen, über 97% der Belegschaft mit dem Thema Ergonomie und Rückengesundheit zu erreichen. Es wurden insgesamt 36 Trainings und Multiplikatorenschulungen durchgeführt. Nicht zuletzt ist die erfolgreiche Abwicklung darauf zurückzuführen, dass das Projektkernteam, bestehend aus Elke Muzykorska und Anne-Marie  Glowienka von 17 externen Praktikanten aus Physiotherapie und Arbeitsschutz begleitet wurden. Die unbedarfte und unvoreingenommene Einstellung der Gäste hat wesentlich zur guten Stimmung in den Projektphasen beigetragen. Für die zu interviewenden Beschäftigten war der Besuch durch eine Praktikantin oder einen Praktikanten eine wohltuende Abwechslung und bot die Chance zur Änderung der eigenen Einstellung. Der überwiegende Teil der Praktikanten befindet sich in der Ausbildung zum ErgoPhysConsult. Die Qualifizierung befähigt die Fachkräfte zur physiotherapeutischen Arbeitsplatzberatung. 

Frau Muzykorska stellt die Wirbelsäule vor

Von Bedeutung war auch, dass die Geschäftsführung das Projekt mit hohem Engagement und persönlicher Unterstützung begleitete. Im Nachhinein stellte sich außerdem heraus, dass das zeitliche Konzept hohe Akzeptanz bei den Mitarbeitern fand. Denn auch für die Nachtschichten wurden ein Training und die ergonomische Beratung am Arbeitsplatz angeboten. 

Die Teilnahme interessierter Beschäftigter am Back-Check-Programm wurde erhöht; die Akzeptanz für frühzeitige Berücksichtigung ergonomischer Anforderungen bei den Vorgesetzten erneut erreicht.



Weiterführende Informationen

INQA - Produktion  Die Initiative neue Qualität der Arbeit betrachtet im thematischen Initivativkreis (TIK), wie sich mit Hilfe gesunder Arbeitsbedingungen wettbewerbsfähig produzieren lässt.

  



Betrieb

Betriebsname:Alcoa Fastening Systems Aerospace Products Hildesheim Operations
Straße:Steven 3
PLZ:31135
Ort:Hildesheim
Internetadresse:www.alcoa.com
Betriebsgröße:250 bis 999 Beschäftigte
Gründungsjahr:1982
Wirtschaftssektor:- Metallerzeugung und -bearbeitung

Betriebliche(r) Ansprechpartner/in

Name:Dipl.-Ing. Karl-Heinz Hoff
Funktion:EHS Manager, SPA Ergonomie
Telefon:05121 76 24 24
Fax:05121 7624 - 54
E-Mail:Kai-Uwe.Hoff@alcoa.com

Berater/in

Firma/Institution:Ergonomiecampus
Name:Hildegard Schmidt
Telefon:05121 26 55 76
Fax:05121 26 26 82
E-Mail:info@ergonomiecampus.de
Internetadresse:http://www.ergonomiecampus.de

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Gestaltungsbereich:

Arbeitsschutzorganisation, Arbeitsmittel und Arbeitsumgebung

Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen und Optimierung der Arbeitsplätze zugunsten der Beschäftigten, aber auch zur Steigerung der Produktivität (Lärm, Staub, Reinigungsmittel, Hebehilfen, verstellbare Arbeitstische, Absicherung, Ergonomie etc.).




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