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Bramscher Buchbinder Betriebe (BBB)

Gesundheits-Check in der Falzerei

Gestaltungsbereich: Arbeitsschutzorganisation, Arbeitsmittel und Arbeitsumgebung

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Zusammenfassung

Außenansicht auf die Bramscher Buchbinder Betriebe Die Geschäftsführung wünschte den Gesundheitszustand in einer Falzerei eines Buchbindebetriebes zu verbessern, suchte jedoch nach einem Lösungsweg zur strukturierten Analyse und Beurteilung, um hieraus Verbesserungspotenziale zu ermitteln. In Kooperation mit dem in der betrieblichen Gesundheitsförderung tägigen Unternehmen Physicon wurde die Basis für eine Verbesserung der Gesundheit aller Beschäftigten in der Falzerei geschaffen. Über zunächst überwiegend verhaltensbezogene Maßnahmen werden Zug-um-Zug Stressoren angepackt. Allen voran Lärm, ständiges Stehen, ungünstige Arbeitshöhe und rückenschädigende Arbeitstechniken. Um über das Verhalten der Beschäftigten zu Lösungen zu kommen, wählte die Geschäftsführung die Partnerschaft mit dem physiotherapeutischen Arbeitsplatzberater, ErgoPhysConsult Dirk Hein.

Auslösendes Ereignis

In der Falzerei eines Buchbindebetriebes werden Papiere automatisch oder teilautomatisch gefalzt, gebunden, sortiert und zur Auslieferung zum Beispiel in Kartons oder auf Paletten zusammengestellt.

Über den persönlichen Kontakt zwischen Berater und Geschäftsführer der Bramscher Buchbinder Betriebe erfolgte ein Austausch über die Gesundheits- und Qualitätsziele des Betriebes angesichts steigender Aufträge und einer gleichbleibenden Mannschaft im Betrieb.

Arbeitsplatz Falzerei Ein Nadelöhr bildet die Falzerei, in dem 12 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Schichtbetrieb tätig sind. In diesem Produktionsbereich sind Tätigkeiten wie häufiges Handhaben von Lasten (Papier) und sonstige Handarbeiten (Sortieren, Einlegen in Maschine, Endkontrolle) typisch. Die Beschwerden und Auffälligkeiten im Bezug auf Rückenbeschwerden hatte unter anderem wegen der Verdichtung von Aufträgen zugenommen. Obwohl Beschwerden vorliegen, kommen die Betroffenen dennoch zur Arbeit, mit der Folge, dass Leistungseinschränkungen sich auf die Qualität der Arbeit auswirkt. Einige Kollegen arbeiten verstärkt für leistungsgeminderte Personen mit, was bei ersteren wiederum das Risiko der Überbelastung birgt.

Gleichwohl ist das Betriebsklima gut. Jeder springt selbstverständlich ein, wenn der andere nicht so fit ist. "Aber", so die Geschäftsführung,: "Ein Zustand, der unverantwortlich ist, wenn von allen Beschäftigten gleichermaßen dieselbe Leistung gewünscht wird." Auch, wenn die AU-Quote dem Durchschnitt der Branche entsprach, wollte sich die Geschäftsführung hiermit nicht zufrieden geben. Gesundheitsfördernde Maßnahmen sollten es richten. Dazu wurde die Firma Physicon beauftragt, eine Gefährdungsbeurteilung mit gleichzeitiger Sofortberatung durchzuführen.

Ziel

Um den Experten Mitarbeiter beim Verbesserungsprozess direkt mit einzubinden, sollte eine Gefährdungsbeurteilung mit den Elementen der Unterweisung und Sofortmaßnahme verknüpft werden.

Ziel war auch, aus neutraler, jedoch fachkundiger Sicht die Ursachen für die Rückenbeschwerden herauszufiltern und Lösungsalternativen zu entwickeln.

Lösungsweg

  1. Im Vorgespräch wurden die Ziele mit dem Unternehmen besprochen und die Projektpartner, insbesondere der direkte Ansprechpartner des Betriebes bestimmt.
  2. Ein erster Rundgang durch die Falzerei bot einen Eindruck über die zu erwartende
  3. Der Berater stellte sich vor und erläuterte das Ziel der Maßnahme. Anschließend wurde ein Erhebungsbogen erklärt und ausgegeben, der "Steckbrief". Mit Hilfe des Steckbriefes zur orientierenden ganzheitlichen Erfassung der Belastungen am Arbeitsplatz konnten die Beschäftigten für sich zunächst selbst ihre Arbeitssituation darstellen und den Bogen ausfüllen. Aufwand etwa 10 Minuten.
  4. Zu einem gesonderten Termin besuchte der Fachberater die Falzerei, sammelte die Steckbriefe ein. Dabei überprüfte er kurz die Angaben und stiegt mit dem Beschäftigten in Überlegungen zur direkten Verbesserung ein. Schwerpunkt der Beratung war:
    1. Beobachtung und direkte Optimierung von Arbeitstechniken, demonstration möglicher Handgriffe in frontaler Ausrichtung ohne Verdrehung des Körpers
    2. Training kleiner Entlastungshaltungen
    3. Demonstration günstigerer Tragetechniken, insbesondere beim Anheben und Absetzen von Lasten; hier: Papier.
  5. Bei Auffälligkeiten im Bezug auf weitere Gefährdungsfaktoren wählte der Berater das Instrument: Screening Gesundes Arbeiten (SGA - TU Dresden) sowie in Ergänzung zu physischen Belastungen die Leitmerkmalmethode Heben und Tragen (LASI / BAuA). Mit dieser gründlichen Aufnahme der Gefährdungspotenziale war stets ein direkter Dialog mit dem Beschäftigten verbunden.
  6. Beurteilung - In der Auswertung der Analysewerkzeuge Steckbrief, Leitmerkmalmethode, Screening Gesundes Arbeiten, Ermittlung des Body Maß Index (BMI) sowie Fotos und Interviewergebnisse wurde bestätigt, dass die im Bereich der Falzerei krankheitsbewirkende Faktoren zu den Rückenbeschwerden führten. Deren Gefahrenquelle war in vielfältigen Stressoren im Arbeitsumfeld zu sehen.
  7. Chefgespräch - Geschäftsführung und Berater sowie das Projektplanungsteam mit dem betrieblichen Ansprechpartner besprachen die Ergebnisse und beschlossen weitere investitionsbedingte Maßnahmen, wie zum Beispiel die Reduzierung des Schalls durch schallabsorbierende Mittel und Veränderung der Arbeitsorganisation durch verstärkte Rotation von belastenden zu weniger belastenden Tätigkeiten etc.
Der Verbesserungsprozess dauert an.

Erfolg

Das Ziel, eine objektivierte Gefährdungsbeurteilung, verbunden mit einer Unterweisung und Sofortmaßnahmen durchzuführen, wurde erreicht.

Die Gefährdungsbeurteilung ergab eine Übersicht sich gegenseitig beeinflussender, ja verstärkender Stressoren. So insbesondere physische Belastungen durch schweres und häufiges Heben und Tragen von Lasten, ständigem "Auf-den-Beinen-sein" in Verbindung mit hohen Schallpegeln.

Die Sofortmaßnahmen bewirkten eine hohe Akzeptanz bei den Betroffenen, insbesondere nützliche Tipps zur verbesserten Anordnung der Materialien, um mittig arbeiten zu können und verbesserte Bücktechniken beim Aufnehmen und Absetzen von Lasten auf den Paletten. Positive Wirkung hatten auch Empfehlungen und Demonstrationen gezielter Ausgleichsübungen bei einseitiger Tätigkeit.

Erreicht wurde auch, dass der Geschäftsführung eine Palette investitionssicherer Hinweise für eine ganzheitliche Optimierung der Ergonomie in der Falzerei gegeben wurde:

Technik:
Schallmindernde Maßnahmen im Einzelnen: Verhinderung des Schlagens von Metall auf Metall durch Einbindung von Polypropylenen oder anderer kunststoffhaltiger, mechanisch und thermisch hochbelastbarer Kantenschoner; Dämmmatten im Bereich der Lärmarbeitsplätze, insbesondere schall- und vibrationsdämmende Matten; Stehhilfen für gelegentliche Entlastung bei Maschinenlehrzeiten.

Organisation:
Einrichtung einer kleinen Task Force "Organisationsverbesserung in der Falzerei".

Personal:
Bereits umgesetzte Demonstration und ein erstes Training rückenschonender Verhaltensmaßnahmen mit der Empfehlung der nachhaltigen Einbindung in den Prozess (kontinuierliche Betreuung bis zur Gewöhnung an rückenschonendes Verhalten) sind erfolgt. Es gab ein Training alternativer Hebe- und Tragetechniken.

Weiterführende Informationen

Kopiervorlagen zur Gefährdungsbeurteilung, Sammlung nützlicher Vordrucke zur Gefährdungsermittlung und -beurteilung: Steckbrief, BAP-Belastungs-Check, Risikobewertungsbogen.

Leitmerkmalmethode Heben und Tragen, Veröffentlichte Vordrucke durch die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA).

Screening Gesundes Arbeiten, das Institut für Arbeits- und Organisationspsychologie an der TU Dresden entwickelte mit fachlicher Unterstützung des Thematischen Initiativkreises Körper, Geist & Arbeit / INQA-ganzheitliche Prävention das tätigkeitsunabhängige, branchenübergreifende Screening Gesundes Arbeiten. Ein Verfahren zur Ermittlung und Bewertung von Gefährdungen sowie zur gleichzeitigen Beratung des Interviewpartners zur Gesundheitssituation am jeweiligen Arbeitsplatz.

Thematischer Initiativkreis Körper, Geist & Arbeit, der Thematische Initiativkreis ist Entwicklungspartner der Methode Screening gesundes Arbeiten (SGA).

Sicherheit beim Heben und Tragen, die Berufsgenossenschaft Druck- und Papierverarbeitet informiert über die Gesundheitsrisiken und Verbesserungsmöglichkeiten beim Handhaben von Papier.

Betrieb

Betriebsname:Bramscher Buchbinder Betriebe (BBB)
Straße:Lindenstr. 40-42
PLZ:49565
Ort:Bramsche
Internetadresse:www.bramscher-buchbinder-betriebe.de
Betriebsgröße:10 bis 49 Beschäftigte
Gründungsjahr:1982
Wirtschaftssektor:- Herstellung von Papier, Pappe und Waren daraus

Betriebliche(r) Ansprechpartner/in

Name:Bodo Hein
Funktion:Geschäftsführer
Telefon:05461 8 88 48
Fax:05461 8 88 24
E-Mail:info@bramscher-buchbinder-betriebe.de

Berater/in

Firma/Institution:ErgoPhysConsult
Name:Dirk Hein
Telefon:05468 98 27
E-Mail:dirk_hein@gmx.de

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Gestaltungsbereich:

Arbeitsschutzorganisation, Arbeitsmittel und Arbeitsumgebung

Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen und Optimierung der Arbeitsplätze zugunsten der Beschäftigten, aber auch zur Steigerung der Produktivität (Lärm, Staub, Reinigungsmittel, Hebehilfen, verstellbare Arbeitstische, Absicherung, Ergonomie etc.).




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