Das Familienunternehmen Eltromat aus Leopoldshöhe baut elektronische Geräte zur Drucküberwachung, damit der Aufdruck genau da ist, wo er hingehört, die Farbe stimmt und der Barcode gelesen werden kann. Dabei stellt sich oft sehr kurzfristig heraus, wie genau die Druckabläufe sind, die man überwachen soll, welche Maschinen wo zum Einsatz kommen und was beim Druck geregelt werden muss. Die Mitarbeiter sind auf Schwankungen in der Produktion eingestellt. Überstunden sind kein Streitpunkt. Es gibt aber auch die Ruhe vor dem Sturm, Zeiten, wo nicht so viel los ist und man eigentlich nach Hause gehen kann. Insgesamt fehlte da einfach die Transparenz.
Zusammen mit der landesgeförderten Arbeitszeitberatung entwickelte eine Projektgruppe mit Freiwilligen gleich zwei gültige Ampelkontenmodelle. Das war notwendig, weil die Beschäftigten in der Produktion andere Arbeitsrhythmen als die Techniker und Ingenieure haben. Gemeinsam ist beiden Modellen: alle Mitarbeiter leisten ihre vereinbarten Wochenstunden dann, wenn die Arbeit anfällt, und haben frei, wenn gerade nicht so viel zu tun ist oder sie ihre privaten Terminwünsche mit den betrieblichen Belangen koordiniert haben. Keine Mehrarbeit, keine Zuschläge mehr - mit dieser Formel sind die Beschäftigten zufrieden. Das einzige Ungewohnte ist der Umgang mit den Minusstunden, das ist für alle ein Lernprozess, wo man aber auch gerne die Vorteile gegenüberstellt. Denn Transparenz schafft ein positives Arbeitsklima.
Auslösendes Ereignis
An der Milchtüte würde man es merken oder am Aufdruck auf der Limodose - wenn da etwas verschwommen wirkt oder aus den Fugen läuft, ist beim Drucken was schief gelaufen. Das zu verhindern, ist das Geschäft von Eltromat. Das Familienunternehmen aus Leopoldshöhe baut elektronische Geräte zur Drucküberwachung, damit der Aufdruck genau da ist, wo er hingehört, die Farbe stimmt und der Barcode gelesen werden kann. Jede dieser Konstruktionen ist eine Einzelanfertigung, auch wenn sie millionenfach genutzt wird. Beispiel: die amerikanische Währung. Kein Dollarschein wechselt in den USA den Besitzer, der nicht beim Druck von einem Eltromat-Prüfgerät inspiziert wurde. Auf dem Prüfstein standen bei Eltromat zu Beginn des Jahres auch die Arbeitszeiten, denn die 213 Beschäftigten wünschten sich klare Verhältnisse. Dem Betrieb kam das entgegen denn oft stellt sich sehr kurzfristig heraus, wie genau die Druckabläufe sind, die man überwachen soll, welche Maschinen wo zum Einsatz kommen und was beim Druck geregelt werden muss. Die Mitarbeiter sind auf Schwankungen in der Produktion eingestellt. Überstunden sind kein Streitpunkt. Es gibt aber auch die Ruhe vor dem Sturm, Zeiten, wo nicht so viel los ist und man eigentlich nach Hause gehen kann. Da fehlte einfach die Transparenz. Dass heute jeder nachlesen kann, wie die Arbeitszeiten geregelt sind, das hat auch viel mit Gleichbehandlung zu tun.
Ziel
Zusammen mit der landesgeförderten Arbeitszeitberatung entwickelte eine Projektgruppe mit Freiwilligen gleich zwei gültige Ampelkontenmodelle. Das war notwendig, weil die Beschäftigten in der Produktion andere Arbeitsrhythmen als die Techniker und Ingenieure haben. Gemeinsam ist beiden Modellen: alle Mitarbeiter leisten ihre vereinbarten Wochenstunden dann, wenn die Arbeit anfällt, und haben frei, wenn gerade nicht so viel zu tun ist oder sie ihre privaten Terminwünsche mit den betrieblichen Belangen koordiniert haben. Übers Jahr gesehen sollen sich Minus- und Plusstunden ausgleichen. Damit alle den Überblick behalten, sind Zeitguthaben und Zeitschulden jeweils mit den bekannten Ampelfarben ausgewiesen. Die grüne Phase umfasst weniger als eine Wochenarbeitszeit und wird von den Mitarbeitern selbstständig verwaltet. Ab einer festgelegten Zahl von zu wenig oder zu viel geleisteten Stunden schaltet die Ampel auf Gelb. Gemeinsam wird dann entschieden, wie die Stunden zeitnah ausgeglichen werden sollen. Die rote Ampelphase dagegen ist kritisch. Sie zeigt mehr Überstunden an, als mit Freizeit ausgeglichen werden können. Den Ingenieuren, die für Eltromat weltweit zur Kundenbetreuung unterwegs sind, werden die Mehrstunden, die in Reisezeiten das Stundenkonto belasten, wieder abgekauft - mit den alten Überstundenzuschlägen.
Lösungsweg
Keine Mehrarbeit, keine Zuschläge mehr - mit dieser Formel sind die Beschäftigten zufrieden. Schwer fällt dagegen vielen die Kehrseite des Modells: der Umgang mit Minusstunden auf dem Konto. Sie können in ruhigen Phasen auch angeordnet werden. Der Gedanke, der Firma etwas zu schulden, ist belastend und ungewohnt. Man zahlt immer in bar und jetzt soll man Schulden machen? Das ist für alle auch ein Lernprozess. Aber man erlebt natürlich umgekehrt auch die Vorteile. Z.B. eine Tochter kann man heute schon mal mitten am Tag zur Musikstunde fahren. Die Zeit zieht sich derjenige ab und arbeitet nach. Während der vereinbarten Kernarbeitszeit von neun bis drei ist er jedoch wie alle an seinem Platz. Private Anliegen oder Arztbesuche, die während der Woche zu erledigen sind, haben nichts mehr mit dem guten Draht zum Vorgesetzten zu tun. Gleiches Recht für alle. Wer will kann schon um sechs Uhr anfangen zu arbeiten. Raucher können rauchen gehen und die Zeit nacharbeiten - minutengenaue Zeiterfassung macht es möglich.
Erfolg
Das Kommen und Gehen ist heute gut geregelt. Was früher Überstunden waren, ist heute flexible Zeit, die an anderer Stelle als private Zeit wieder "ausgezahlt" wird. Geändert hat das neue System viel in der Einstellung einiger Mitarbeiter zu betrieblichen Fragen. Nach einem halben Jahr mit den Ampelkonten erlebt man heute eine hohe Identifikation mit den Abläufen. Die Mitarbeiter wissen mehr über die Produktionsplanung, sie sind auch eingebunden und die dazu notwendige Transparenz schafft außerdem ein positives Klima.