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Teamarbeit und Überstundenabbau

Gestaltungsbereich: Arbeitszeit

Zusammenfassung

Die Eigenverantwortlichkeit der Mitarbeiter und ihre Zufriedenheit sind eines der Ergebnisse eines neuen Arbeitszeitmodells bei Hembeck Federn in Lüdenscheid. Die meisten Beschäftigten schätzen den Freizeitausgleich der Überstunden deutlich höher als die Bezahlung der Mehrarbeit. Das Unternehmen vermeidet durch das neue Modell Kurzarbeit in auftragsschwachen Zeiten und sieht dies auch als Imageverbesserung gegenüber den Kunden an.

Auslösendes Ereignis

Hembeck Federn sorgen dafür, dass die Taschenlampe Kontakt zur Batterie bekommt, dass Zierleisten an der Karosserie klemmen oder der Clip des Kugelschreibers zugleich die Mine herunterdrückt. Und obwohl nicht selten in Stückzahlen zu hunderttausend gefertigt, ist jede Flachfeder, die das Stammhaus in Lüdenscheid verlässt, ein Unikat, eigens für die Zwecke des Kunden gefertigt. "Lösungen von der Stange gibt es bei uns nicht", sagt Geschäftsführer Rainer Wolf.
In zwei Schichten werden Flachfedern bei Hembeck in Stanztechnik entwickelt, die entsprechenden Werkzeuge gebaut und anschließend produziert. Die Auftragslage ist gut und übers Jahr ausgeglichen und doch suchte man Alternativen zum einfachen Schichtmodell.

Ziel

Da die einzelnen Projekte von eigenverantwortlich tätigen Arbeitsteams betreut werden – von der Entwicklung bis zur Verarbeitung sowie in allen Fragen, die Material, Aussehen, Funktionalität oder Oberflächengestaltung der benötigten Feder betreffen, sind diese Teams für das Ergebnis und die Terminplanung zuständig. "Damit sie diesen komplexen Prozesssteuern können, brauchen die Teams Spielraum und den sollte uns ein neues, flexibleres Modell der Arbeitszeiten bieten", erläutert Rainer Wolf.

Lösungsweg

Nach einer landesgeförderten Arbeitszeitberatung einigte sich eine betriebliche Steuerungsgruppe darauf, versuchsweise vom Modell "Schichtarbeit plus Überstunden" auf Ampelkonten umzuschalten. Ergänzend zur 35-Stunden-Woche können damit bis zu fünf Arbeitsstunden zusätzlich gearbeitet werden, ohne dass Überstundenzuschläge zu zahlen sind. Fällt dagegen eine Maschine aus oder ist gerade Leerlauf in der Fertigung, kann sich die Arbeitszeit kurzfristig um bis zu fünf Stunden reduzieren. Schon nach kurzer Zeit zeigte sich, dass auf diese Weise Produktions- und Arbeitszeiten besser aufeinander abgestimmt werden konnten. "Wir haben weit mehr als 50 % weniger Überstunden als bisher", fasst Rainer Wolf zusammen.
Für den Abbau von zusätzlich geleisteten Arbeitsstunden sind nach Auskunft des Betriebsrates Uwe Heims die Arbeitsteams selbst verantwortlich, "zumindest, solange das Konto im grünen Bereich ist." Ob sie früher gehen oder in den nächsten Tagen später kommen sollen, sprechen die Kolleginnen und Kollegen untereinander ab. "Manche sparen auch ein paar Stunden an und nutzen den nächst besten Brückentag zum Abbau der Plusstunden", berichtet Uwe Heims. Das Modell komme besonders bei den jüngeren Beschäftigten gut an. Familienzeit ist gerade für sie offenbar mehr wert als manche Überstunde, hat der Betriebsrat beobachtet. Ein Beispiel dafür ist die Wochenendarbeit. Sie wird nach wie vor mit hohen Zuschlägen vergütet. Doch nicht jeder will unbedingt Bargeld. Manch einer sagt auch: "Ich nehme lieber die freie Zeit."
Fallen mehr als fünf Stunden im Plus- oder Minusbereich des Kontos an, schaltet das Ampelkonto auf Gelb. Dann reichen einfache Teamabsprachen zum Zeitausgleich nicht mehr aus und der Abteilungsleiter ist gefragt, wie das Konto ausgeglichen werden kann. Im roten Kontenbereich schließlich überlegen Geschäftsleitung und Betriebsrat gemeinsam, was zu tun ist. Die neuen Arbeitszeiten bieten ihnen hier neue Einsichten. "Wenn in einer Abteilung permanent Überstunden entstehen, dann ist da irgendwas verkehrt. Entweder stimmt etwas im Ablauf nicht, das Arbeitsverfahren ist umständlich oder es sind einfach zu wenig Leute da", sagt Betriebsrat Uwe Heims.


Erfolg

Derzeit stehen bei Hembeck alle Stundenkonten im Plus. Die Auftragslage ist gut. Sollte sich das ändern, bietet das Ampelkonto natürlich auch Spielraum in die Gegenrichtung. Zwar sind Minusstunden Zeitschulden gegenüber dem Unternehmen, "doch die schlechtere Alternative wäre in so einem Fall Kurzarbeit", sagt Rainer Wolf. "Denn Kurzarbeit ist immer ein kritisches Signal für Kunden, Lieferanten und nicht zuletzt auch für die Mitarbeiter."
Seine Bilanz des Kontenmodells ist auch deshalb positiv, weil die flexibleren Arbeitszeiten gerade die jüngeren Beschäftigten zusätzlich motivierten. "Sie bringen eine Aufweichung der ganz starren Hierarchien mit sich. Man sagt den Leuten nicht mehr, was genau sie in welcher Reihenfolge zu tun haben, sondern man überlässt den Spielraum den Mitarbeitern zur Gestaltung." Auch aus diesem Grund haben sich Betriebsrat und Geschäftsleitung vor kurzem entschlossen, das erfolgreiche Modell ganz zu übernehmen.


Betrieb

Betriebsname:Emil Hembeck GmbH & Co. KG
Straße:Lösenbacher Landstrasse 196
PLZ:58509
Ort:Lüdenscheid
Internetadresse:www.hembeckfedern.de
Betriebsgröße:50 bis 299 Mitarbeiter
Gründungsjahr:
Wirtschaftssektor:- Metallerzeugung, Metallbearbeitung und Metallerzeugnisse

Betriebliche(r) Ansprechpartner/in

Name:Rainer Wolf
Funktion:Geschäftsführer
Telefon:0 23 51 - 96 82-0
Fax:0 23 51 - 96 82-99
E-Mail:

Ergänzende Angaben

Dauer der Maßnahme:von 03.2002 bis 11.2003


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Gestaltungsbereich:

Arbeitszeit

Maßnahmen zur Um- und Neuorganisation von Arbeitszeiten zum Wohl der Mitarbeiter und zur Verbesserung der Produktivität (Arbeitszeitmodelle, Ampelkonto, Schichtarbeit etc.).

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