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Durch Zeitkonten flexibel bleiben

Gestaltungsbereich: Arbeitszeit

Zusammenfassung

Durch Arbeitszeitkonten, zunächst auf freiwilliger Basis, minimiert die Jeners GmbH konjunkturbedingte Entlassungen, aber auch Überstunden.Die neue Regelung bietet den Mitarbeitern die Chance in ruhigeren Zeiten mehr Freizeit zu geniessen und sichert Ihnen ein gleichmässiges Einkommen, das Lohneinbußen durch Kurzarbeit nicht mehr möglich sind. Auf Anhieb wollten nicht alle Mitarbeiter in dem Wülfraher Familienbetrieb nach diesem neuen Arbeitszeitmodellarbeiten.

Auslösendes Ereignis

"Wenn Sie bei meinem Kunden keine Duschabtrennung bestellen, dann braucht der auch nicht die Teile, die wir für ihn machen. Ganz einfach. Dazu kommt, dass unsere Kunden sich nicht mehr viel ins Lager legen. Darauf mussten wir uns einstellen", sagt Rainer Höhn, kaufmännischer Leiter bei der Zink-Druckgießerei Jeners in Wülfrath. Der Zulieferer für Kleinteile aus Zinklegierungen produziert, bearbeitet und liefert kurzfristig, denn die Kunden erwarten das.
Unregelmäßige Produktionszyklen sind daher bei Jeners eine ständige Herausforderung für die Personalplanung. "Früher haben wir dann auf der einen Seite mit Überstunden gearbeitet und waren auf der anderen Seite zur Kurzarbeit gezwungen.

Ziel

Auf schwankende Auftrags- und Produktionslagen wollte man zukünftig besser reagieren in dem Wülfrather Familienunternehmen und auch ein klein wenig gelassener. Ein neues Arbeitszeitenmodell soll mehr Flexibilität bieten und weist nach Auffassung der Geschäftsführung in die richtige Richtung.

Lösungsweg

Fällt bei Jeners Mehrarbeit an, können die Beschäftigten der Frühschicht nach 14 Uhr noch freiwillig bis 16 Uhr weiter arbeiten, während die Spätschicht - ebenfalls freiwillig - bereits um 12 Uhr mit der Arbeit anfangen kann. Die zusätzlichen Stunden werden auf einem Konto gutgeschrieben. Eine Betriebsvereinbarung sorgt dafür, dass nicht zu viel oder zu wenig gearbeitet wird.
Im grünen Bereich ist, wer bis zu vier Minus- oder 16 Plusstunden auf seinem Konto angesammelt hat. In Absprache mit dem Betriebsleiter werden dann zeitnah freie Tage vereinbart. Von der gelben Phase ist die Rede, wenn bis zu 40 Plusstunden aufgelaufen sind: "Dann muss überlegt werden, wie diese Stunden abgebaut werden oder wie durch Mehrarbeit Minusstunden wieder ausgeglichen werden können", erklärt Rainer Höhn die Vereinbarung. Ist das Konto darüber hinaus im roten Bereich, werden den Beschäftigten die Überstunden wieder abgekauft.
Rainer Höhn sieht Vorteile für beide Seiten: "Flaue Zeiten in der Produktion führten früher zu Kurzarbeit und Lohneinbußen. Heute zeigen sie sich zunächst nur als Minusstunden auf dem Zeitkonto. Die Belegschaft arbeitet diese Stunden ab, wenn wieder viel zu tun ist." Dann profitiert umgekehrt die Jeners GmbH von dem neuen Arbeitszeitenmodell und spart die Kosten für Überstunden.

Vorarbeiter und Delegierte aus der Belegschaft setzten sich mit dem Bereichsleiter für den ganzen Standort und der Betriebsleitung an einen Tisch und entwickelten mit Unterstützung der landesgeförderten Arbeitszeitberatung das Grundmodell. "Eine wunderbare Sache, um auch Verwaltungsvorgänge in der Lohnbuchhaltung zu vereinfachen", erkannte Rainer Höhn darin einen weiteren erwünschten Nebeneffekt. Doch die Idee fand nicht sogleich den Zuspruch der Belegschaft. Während der vereinbarten Pilotphase von sechs Monaten wollten nur wenige Beschäftigte die Probe aufs Modell machen. Diese wenigen sind begeistert. Doch sie, so klagt Betriebsleiter Harald Knust, häufen Plusstunden in großer Zahl an, während er nicht weiß, wann und ob er ihnen dafür frei geben kann.
Ein Problem ist das zumindest für Spiridula Plachovri nicht. Die angelernte Kraft führt seit neun Monaten ihr Stundenkonto und ist mit rund 50 Arbeitsstunden derzeit im Plus. Sie weiß zu schätzen, dass sie diese Zeit in Absprache mit dem Betriebsleiter an anderen Tagen freibekommen kann. Dass es nicht immer dann geht, wenn sie es am liebsten hätte, stört sie nicht. "Mal eine Woche lang nur sechs Stunden am Tag arbeiten, davon habe ich doch auch was", sagt sie. Ihr gefällt die Abwechslung im Arbeitsrhythmus, die das Zeitkonto mit sich bringt. "Das zahlt sich für mich aus", sagt Spiridula Plachovri, die sich heute um drohende Kurzarbeit keine Sorgen mehr macht: "Ich habe ja noch einige Stunden gut bei Jeners."


Erfolg

Neun Männer und Frauen im Betriebsteil Velbert nutzen derzeit die Möglichkeiten des Zeitkontenmodells. Die anderen Beschäftigten aber wollen nach wie vor erst überzeugt werden. "Die Familien haben sich auf die gut bezahlten Überstunden eingestellt und wollen keine Veränderung", weiß Rainer Höhn. Als Kaufmann rechnet er anders und wirbt engagiert für das Modell, denn es hilft Arbeitsplätze zu erhalten. In den letzten drei Jahren wurden 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entlassen. "Ohne die Gestaltungsmöglichkeiten durch die Zeitkonten", da ist sich Rainer Höhn sicher, "wären es weit mehr gewesen. Leider ist hier noch nicht allen deutlich geworden, wie wichtig es ist, dass wir für unsere Kunden flexibel bleiben."

Betrieb

Betriebsname:Jeners Druckgusstechnik GmbH
Straße:Kruppstraße 51
PLZ:42489
Ort:Wülfrath
Internetadresse:www.jeners.com
Betriebsgröße:50 bis 299 Mitarbeiter
Gründungsjahr:1930
Wirtschaftssektor:- Metallerzeugung, Metallbearbeitung und Metallerzeugnisse

Betriebliche(r) Ansprechpartner/in

Name:Rainer Höhn
Funktion:Kaufmännischer Leiter
Telefon:0 20 58 / 77 85-0
Fax:0 20 58 / 77 85-99
E-Mail:

Ergänzende Angaben

Dauer der Maßnahme:von 05.2002 bis heute


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Gestaltungsbereich:

Arbeitszeit

Maßnahmen zur Um- und Neuorganisation von Arbeitszeiten zum Wohl der Mitarbeiter und zur Verbesserung der Produktivität (Arbeitszeitmodelle, Ampelkonto, Schichtarbeit etc.).

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