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Keine Angst vor Engpässen
Die Elektrotechnik Stettinus GmbH spart durch Flexibilität kostspielige Überstunden

Gestaltungsbereich: Arbeitszeit

Zusammenfassung

Eine Stechuhr gab es beim Bottroper Elektrotechnikbetrieb Stettinus nie. Als im Juni 2002 fast alle Mitarbeiter auf einer Großbaustelle in Hagen eingesetzt waren drohte das Projekt nicht rechtzeitig fertig zu werden. Und das wäre wegen der vereinbarten Konventionalstrafe teuer geworden. Pünktlich ließ sich die Arbeit nur mit vielen Überstunden bewältigen. Nur: So entstand für den Betrieb ein großer Nachteil, denn bis dahin waren bei Stettinus alle Überstunden mit Zuschlag bezahlt worden. Das Hagener Großprojekt jedoch war ein Pauschalauftrag, bei dem der Auftraggeber die Kosten für Überstunden nicht extra bezahlte. Bei der Nachkalkulation stellte man fest, daß bei diesem Projekt Geld mitgebracht wurde, statt es einzunehmen. Auf einer vorweihnachtlichen Betriebsversammlung im Dezember 2002 erklärte der Chef seinen Mitarbeitern, dass etwas passieren muss und er nicht weiter Überstunden automatisch ausbezahlen kann und schlug daher ein flexibles Arbeitszeitmodell vor.
Mit den Vorschlägen aus dem Kreis der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und der landesgeförderten Arbeitszeitberatung entstand ein erster Entwurf für eine flexible Arbeitszeitregelung bei Stettinus. In Zukunft werden Zuschläge nur dann gezahlt, wenn der Auftraggeber des Projektes diese Zuschläge auch an Stettinus zahlt. Wenn der Auftraggeber keine Zuschläge übernimmt, dann werden sie bei Stettinus auch nicht gezahlt. Das war für die Mitarbeiter zunächst mal ein Problem. Denn je nachdem in welchem Projekt man eingesetzt ist, gibt es Geld für die Überstunden oder Freizeitausgleich. Schnell wurde allerdings klar, dass auf längere Sicht automatisch ein Ausgleich stattfindet, schon allein dadurch, dass jeder mal in einem Projekt mit bezahlten Überstunden und dann wieder in einem ohne ist. Seit dem 1. August 2003 gilt die Betriebsvereinbarung, die alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterzeichnet haben. Den neuen flexiblen Personaleinsatzplan sehen die Mitarbeiter inzwischen die Vorteile für sich.


Auslösendes Ereignis

Eine Stechuhr gab es beim Bottroper Elektrotechnikbetrieb Stettinus nie. Seniorchef Martin Stettinus hat auch so im Blick, wenn es einer seiner Mitarbeiter mit der Pünktlichkeit mal nicht so genau nimmt. Solche Zeitprobleme ließen sich in dem Handwerksbetrieb immer regeln. Anders sah es mit den zeitlichen Engpässen aus, die im Juni 2002 entstanden. Fast alle Mitarbeiter waren auf einer Großbaustelle in Hagen eingesetzt und trotzdem drohte das Projekt nicht rechtzeitig fertig zu werden. Und das wäre wegen der vereinbarten Konventionalstrafe teuer geworden. Pünktlich ließ sich die Arbeit nur mit vielen Überstunden bewältigen. Nur: So entstand für den Betrieb ein großer Nachteil, denn bis dahin waren bei Stettinus alle Überstunden mit Zuschlag bezahlt worden. Das Hagener Großprojekt jedoch war ein Pauschalauftrag, bei dem der Auftraggeber die Kosten für Überstunden nicht extra bezahlte. Bei der Nachkalkulation stellte man fest, daß bei diesem Projekt Geld mitgebracht wurde, statt es einzunehmen. Die ETS Elektrotechnik Stettinus GmbH macht unter anderem "klassische" Elektroinstallationen (inzwischen eher in größeren Industrieunternehmen als in Wohnhäusern), Einbau und Wartung von Einbruch- und Brandmeldeanlagen, aber sie plant und verlegt auch Spezialkabel für die Kommunikations- und Datentechnik in größeren Gebäuden. 1978 gegründet, liegt der Jahresumsatz heute bei rund 2 Mio. Euro. Die fünfundzwanzig Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten größtenteils schon seit vielen Jahren im Unternehmen. Auf einer vorweihnachtlichen Betriebsversammlung im Dezember 2002 erklärte der Chef seinen Mitarbeitern, dass etwas passieren muss und er nicht weiter Überstunden automatisch ausbezahlen kann und schlug daher ein flexibles Arbeitszeitmodell vor.

Ziel

Aus dem Kreis der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kam die Idee, doch eine Arbeitsgruppe zum Thema zu bilden. Fünf Obermonteure und der Junior Chef machten sich an die Arbeit. Es wurde Infomaterial gesammelt, die Mitarbeiter brachten weitere Ideen ein, aber mit einem Modell, das sich sofort bei Stettinus umsetzen ließe, haperte es. Der Geschäftsführer aber wünschte sich Nägel mit Köpfen. Junior und Senior Chef beschlossen schließlich, die kostenlose Beratung der zuständigen Handwerkskammer in Anspruch zu nehmen. Vierzehn Tage später fand das erste Gespräch mit einer Arbeitszeitberaterin statt.

Lösungsweg

Mit den Vorschlägen der landesgeförderten Arbeitszeitberatung entstand ein erster Entwurf für eine flexible Arbeitszeitregelung bei Stettinus. Der wurde zunächst von Geschäftsleitung, Beraterin und der Gruppe von Obermonteuren diskutiert. Die Obermonteure wiederum informierten die anderen Mitarbeiter und am 1. Juli 2003 war eine Betriebsvereinbarung reif für die Unterschrift. Die Regelung umfasst unter anderem ein Zeitkonto, auf dem maximal 60 Plus- und 23 Minusstunden auflaufen dürfen. Innerhalb von zwölf Monaten muss das Plus oder Minus ausgeglichen werden, wenn nötig werden noch drei Monate angehängt. Mehrarbeit oder auch Minderarbeit ist zwei Tage vorher anzukündigen. Und: für nicht kalkulierte Überstunden gibt es keine Bezahlung mehr.

Erfolg

In Zukunft werden Zuschläge nur dann gezahlt, wenn der Auftraggeber des Projektes diese Zuschläge auch an Stettinus zahlt. Wenn der Auftraggeber keine Zuschläge übernimmt, dann werden sie bei Stettinus auch nicht gezahlt.Das war für die Mitarbeiter zunächst mal ein Problem. Denn je nachdem in welchem Projekt man eingesetzt ist, gibt es Geld für die Überstunden oder Freizeitausgleich. Schnell wurde allerdings klar, dass auf längere Sicht automatisch ein Ausgleich stattfindet, schon allein dadurch, dass jeder mal in einem Projekt mit bezahlten Überstunden und dann wieder in einem ohne ist. Seit dem 1. August 2003 gilt die Betriebsvereinbarung, die alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterzeichnet haben. Zunächst mal für ein Jahr auf Probe. Wenn sich in dieser Zeit nichts Wesentliches ändert, gilt sie als verabschiedet. Mit der vom Land NRW geförderten Arbeitszeitberatung ist man bei Stettinus schon jetzt zufrieden. Die Arbeitszeitberaterin hatte Erfahrungen mit Modellen, die in anderen Handwerksbetrieben bereits erfolgreich waren, und sie kannte sich außerdem mit rechtlichen Fragen aus und hat auch geholfen, die Tarifverträge einzuhalten. Und im neuen flexiblen Personaleinsatzplan sehen auch die Mitarbeiter inzwischen die Vorteile für sich.

Betrieb

Betriebsname:Elektrotechnik Stettinus GmbH
Straße:An der Knippenburg 50
PLZ:46238
Ort:Bottrop
Betriebsgröße:10 bis 49 Mitarbeiter
Gründungsjahr:1978
Wirtschaftssektor:Erbringung von sonstigen öffentlichen und persönlichen Dienstleistungen

Betriebliche(r) Ansprechpartner/in

Name:Martin Stettinus
Funktion:Seniorchef
Telefon: 02041 - 63434

Ergänzende Angaben

Dauer der Maßnahme:von 12.2002 bis 08.2003


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Gestaltungsbereich:

Arbeitszeit

Maßnahmen zur Um- und Neuorganisation von Arbeitszeiten zum Wohl der Mitarbeiter und zur Verbesserung der Produktivität (Arbeitszeitmodelle, Ampelkonto, Schichtarbeit etc.).

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